Der Arbeitsmarkt 2035: Was wir als Eltern heute wissen müssen
Wir schreiben den Januar 2026. Draußen ist es grau, aber am Küchentisch wird es hitzig. Unser Kind steht vor dem Wechsel auf die weiterführende Schule. Gymnasialempfehlung? Gesamtschule? MINT-Schwerpunkt oder doch sprachlich?
Als Vater drückt mir das Herz. Wir wollen doch nur, dass “die Kleinen” später mal ein gutes, sicheres Leben haben. Aber als Web-Entwickler weiß ich: Die Welt, in die unser Kind 2035 als junger Erwachsener entlassen wird, hat mit unserer Arbeitswelt von heute kaum noch etwas zu tun.
Ich habe meine Sorgen beiseite geschoben und recherchiert. Was sagen die Daten? Und warum könnte ausgerechnet das klassische Handwerk oder der soziale Bereich die sicherste Bank für die Zukunft sein?
Hier ist mein “Deep Dive” in die Zukunft unseres Kindes.
1. Die Informationswelle von der CES 2026: “Das Ende der klassischen Ausbildung”
Fangen wir mit der Nachricht an, die mich aufgerüttelt hat. Auf der CES 2026 haben McKinsey und General Catalyst eine Prognose gewagt: “Das Ende der klassischen Ausbildung” [1].
Der Fakt: Die Vorstellung, dass unser Kind eine Ausbildung oder ein Studium macht und von diesem Wissensvorrat 40 Jahre lang zehrt, ist tot. Durch KI veraltet reines Fachwissen rasend schnell.
Aber: Das gilt vor allem für “Bürojobs”. Wer am Computer arbeitet, konkurriert mit der KI. Wer mit Menschen oder mit den Händen arbeitet, hat oft einen entscheidenden Vorteil.
2. Die Demografie ist unser Freund (besonders in der Pflege)
Trotz aller KI-Warnungen gibt es eine extrem gute Nachricht. Wenn unser Kind ca. 2035 in den Arbeitsmarkt eintritt, wird es händeringend gebraucht.
Der Fakt: Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) schrumpft das Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland bis 2035 dramatisch [2].
Die Konsequenz: Es wird ein “Arbeitnehmermarkt”. Das gilt besonders für soziale Berufe und das Gesundheitswesen. Während KI Diagnosen stellen kann, kann sie keine Empathie simulieren, die sich “echt” anfühlt. Der Bedarf an menschlicher Zuwendung wird in einer alternden Gesellschaft explodieren.
3. Future Skills: Was unser Kind wirklich lernen muss
Wenn McKinsey Recht hat und “Faktenwissen” an Wert verliert, was bleibt dann? Der OECD Lernkompass 2030 [3] und aktuelle Analysen zeigen drei Säulen:
A. Digitale Souveränität (Der Kopf)
Es reicht nicht, TikTok zu bedienen. Kinder müssen verstehen, wie Algorithmen funktionieren, um in einer Welt voller Deepfakes die Wahrheit zu erkennen.
B. Empathische Intelligenz (Das Herz)
Das ist die “Superkraft”, die Maschinen fehlt. Ob als Erzieher, Pflegekraft oder Sozialarbeiter: Die Fähigkeit, Konflikte zu lösen, zu motivieren und emotional zu stützen, wird zur härtesten Währung am Arbeitsmarkt.
- Schul-Check: Wird Teamarbeit wirklich gefördert? Gibt es Streitschlichter-Programme oder soziale Projekte?
C. Problemlösung im Raum (Die Hand)
KI kann keinen Rohrbruch reparieren und kein individuelles Dach decken. Das Handwerk wird “High-Tech”, bleibt aber manuell. Räumliches Vorstellungsvermögen und handwerkliches Geschick sind “KI-resistente” Skills.
4. Berufe, die es heute noch gar nicht gibt (oder die sich radikal wandeln)
Worauf bereiten wir sie vor? Forscher sehen für 2035 spannende neue Felder [4]:
- Der “Walker/Talker”: Was simpel klingt, wird wichtig. Professionelle Begleiter für Senioren, die (anders als Pflegeroboter) zuhören und soziale Isolation bekämpfen. Ein Job, der 100% Empathie fordert.
- Smart-Home-Handwerker: Der Installateur der Zukunft schraubt nicht nur Rohre, sondern vernetzt Wärmepumpen mit dem Stromnetz und wartet die Sensorik. Handwerk trifft Informatik.
- AI Ethicist (KI-Ethiker): Menschen, die sicherstellen, dass KI-Entscheidungen fair bleiben.
- Data Detective: Jemand, der in riesigen Datenbergen Muster erkennt.
Ein Blick in das PDF 21 Jobs of the Future (PDF) zeigt: Viele Zukunftsjobs sind überraschend “menschlich”.
Mein Fazit für unsere Schulwahl
Ich werde weniger auf den Ruf des “prestigeträchtigen Gymnasiums” schauen. Basierend auf dem McKinsey-Report [1] sind meine neuen Kriterien:
- Praxisbezug: Gibt es Werkstätten, Schulgärten oder Kooperationen mit lokalen Betrieben? (Wichtig für das Verständnis der physischen Welt).
- Soziales Miteinander: Wie geht die Schule mit Mobbing um? Wie wird Sozialkompetenz trainiert?
- Lernen zu lernen: Die wichtigste Fähigkeit ist, sich immer wieder neu zu erfinden – egal ob als Meister im Handwerk oder als Master in Data Science.
IMO: Die Zukunft wird wild. Aber vielleicht liegt die größte Sicherheit für unsere Kinder nicht im nächsten Coding-Kurs, sondern darin, das zu stärken, was uns Menschen ausmacht: Unsere Hände und unser Herz.
Quellenverzeichnis
- [1] Golem.de / McKinsey & General Catalyst: Künstliche Intelligenz: McKinsey verkündet Ende der klassischen Ausbildung (Bericht zur CES 2026).
- [2] IAB: Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials bis 2060.
- [3] OECD: The Future of Education and Skills 2030.
- [4] Cognizant: 21 Jobs of the Future (Studie zu neuen Berufsbildern).
Hinweis: Dieser Beitrag spiegelt meine persönliche Meinung wider und stellt keine Rechtsberatung dar.
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